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Kolonialismus

Inhaltsverzeichnis.

Lange Zeit hatte das vorrangige Interesse des französischen Hofs darin bestanden, eine für denkbar gehaltene direkte Seeroute nach Asien und China zu finden, von der man sich ein Aufblühen der Handelsgeschäfte versprach. Typen und Organisationsformen kolonialer Herrschaft. Von übereinstimmenden Kernmerkmalen wie Über- und Unterordnung zwischen Kolonisten und Kolonisierten oder den ungleichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kolonialmächten und Kolonien abgesehen, sind die historischen Erscheinungsformen des neuzeitlichen Kolonialismus äußerst vielfältig.

Da die Europäer die in den Kolonialgebieten vorgefundenen Verhältnisse als chaotisch ansahen, betrachteten sie ihr Handeln vor Ort nicht als Willkürherrschaft, sondern als Ordnung schaffend. Westliche Politikformen eigneten sich aus dieser Sicht nicht für Kolonialgebiete: Wann immer diese besagte Erziehung den kolonialen Obrigkeiten aussichtslos erschien, waren die Einheimischen beliebigen Formen willkürlicher Grausamkeit vielfach schutzlos ausgesetzt.

Entstehungsformen und Ausprägungen kolonialer Herrschaft wiesen eine Vielzahl spezifischer Merkmale auf, die einerseits von den jeweiligen politischen Verhältnissen und sozioökonomischen Hauptinteressen der einzelnen Kolonialmacht abhingen, andererseits von den im kolonialen Herrschaftsgebiet angetroffenen Bedingungen. Kolonialismus ist deshalb nur in seiner ganzen historischen und geographischen Bandbreite angemessen zu erfassen. Intensive wirtschaftliche Beziehungen Genuas und Venedigs zum Byzantinischen Reich ermöglichten beiden oberitalienischen Stadtrepubliken Handelsmonopole auszubilden.

Sie beherrschten dadurch im Spätmittelalter den gesamten Mittelmeerraum. Es war ihnen im Zuge der Kreuzzüge gelungen, Kolonien bzw. Mit dieser Niederlage schied Genua aber nicht vollständig aus dem Mittelmeerhandel aus, sondern konnte sogar einige seiner Kolonien bis ins Nachdem portugiesische Entdecker jenseits des Kaps der Guten Hoffnung den Seeweg nach Indien gefunden und Stützpunkte hauptsächlich für den Gewürzhandel u.

Pfeffer, Zimt, Muskat, Gewürznelken errichtet hatten, erweiterte das Herrscherhaus an der Wende zum Jahrhundert den eigenen Titel: Als die portugiesische Königsdynastie ausstarb, fiel Portugal mitsamt dem Kolonialbesitz in Personalunion an den spanischen Habsburger Philipp II. Spaniens Kolonialreich in Mittel- und Südamerika erstreckte sich auf drei unterschiedliche Arten von indigenen Gesellschaftstypen. Das waren die Hochkulturen der Azteken , Maya und Inka mit zentraler Organisation, zweitens dünn besiedelte und weniger gegliederte Herrschaftsbereiche sowie drittens Nomadenvölker.

Hingegen konnten sich die in die für die Spanier wenig attraktiven Siedlungsgebieten Südargentiniens, Südchiles, Nordmexikos und in den Regenwäldern beheimateten nomadischen Indianer im Kampf mit der Kolonialmacht behaupten. Die im päpstlichen Auftrag das Eroberungsgeschehen begleitende christlich-katholische Mission wurde insbesondere von den Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner betrieben. In ihren Reihen wurde teils drastische Kritik an den von den Konquistadoren gegenüber den Einheimischen verübten Grausamkeiten laut.

Seit gab es am spanischen Hof neben dem Königlichen Rat einen Rat für die überseeischen Gebiete Consejo de Indias , der für die kolonialen Wirtschafts-, Finanz-, Militär- und Kirchenangelegenheiten zuständig war.

Sie stammten in der Regel aus Spanien und kehrten nach durchschnittlich 6 bis 7 Jahren dahin auch wieder zurück, hatten folglich ein Interesse daran, dass sich ihr Posten wirtschaftlich oder im Sinne der eigenen Karriere rasch auszahlte. Formalrechtlich galten die Indianer unter spanischer Herrschaft — anders als unter der anderer Kolonialmächte — als gleichberechtigte Untertanen der spanischen Krone.

Der möglichen Wahrnehmung ihrer Interessen vor Gericht stand aber häufig die Sprachbarriere entgegen. Nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitskampf der Niederländer gegen Spanien stiegen diese zur bedeutenden Handels- und Seemacht auf und etablierten sich — vor allem auf Kosten Portugals — als neue Kolonialmacht mit Stützpunkten u.

Träger der niederländischen Kolonialherrschaft waren die aus mehreren Einzelunternehmen zusammengeschlossene Vereinigte Niederländische Ostindien-Kompanie VOC sowie ab die Westindische Kompanie. Diese wurden durch staatliche Freibriefe mit weitreichenden Rechten ausgestattet, was auch das Unterhalten einer eigenen Armee einschloss. Zur Finanzierung wurden zum ersten Mal von einer Gesellschaft Aktien ausgegeben, und die Anteilseigner wurden als Teilhaber aufgenommen.

Neben Sumatra und Borneo waren wegen des Zugangs zu Muskatnüssen auch die Molukken für die Niederländer besonders lukrativ. Die danach entvölkerten Inseln übernahmen niederländische Plantagenbetreiber, die importierte Sklaven beschäftigten. Weniger die territoriale Kontrolle als das funktionierende Netzwerk und die gute Einbindung in das regionale System waren dafür kennzeichnend. Jahrhunderts dort aber doch eine militärisch gestützte indirekte Territorialherrschaft.

Mit dem frühen niederländischen Kolonialismus in Südostasien ging auf Herrschaftsebene die Ausbildung einer Mischgesellschaft und -kultur einher, in der niederländische Vorstellungen zwar dominierten, aber von Elementen indonesischer Kultur durchdrungen wurden.

Denn die niederländischen Männer kamen zumeist allein in die asiatischen Kolonialgebiete und gingen dort sehr oft Verbindungen mit einheimischen Frauen ein, sodass diese sowie die gemeinsamen Kinder Teil der Führungsschicht wurden. Diese Mischkultur erlangte zunehmend Einfluss in der Gesamtgesellschaft und führte zur Ausbildung eigener Baustile und Kunstformen, einer eigenen Musik und Literatur.

Jahrhundert, das zur goldenen Zeit der Niederlande werden sollte, behielten diese aber doch die Oberhand, auch weil England es mit Revolution und Bürgerkrieg zu tun hatte und in den Seekriegen nicht obsiegte.

Jahrhundert zugunsten der Briten. Nachdem der niederländische Statthalter Wilhelm von Oranien infolge der Glorious Revolution englischer König geworden war, kam es zu einer Aufteilung der Einflusssphären in Asien zwischen den beiderseitigen ostindischen Kompanien: Während die Niederländer sich auf Indonesien konzentrierten, weiteten die Briten ihre Vorposten in Indien, wie z.

Madras , Bombay und Kalkutta , zu einer dauerhaften Kolonialherrschaft aus. Hatte der englische Überseehandel in Asien anfänglich auch auf Gewürze und speziell auf Pfeffer gezielt, so verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Einfuhr von Baumwolle und Tee. Andererseits übte sie die Kontrolle über ihr indisches Herrschaftsgebiet auch militärisch mit Hilfe einheimischer Truppen aus, der Sepoy , die von britischen Offizieren geführt wurden.

Im entwickelten Stadium der britischen Kolonialherrschaft über Indien wurde die Handelsgesellschaft in einen Arm der staatlichen Administration umgewandelt. Auch in der Karibik und in Nordamerika kam es bereits im Laufe des Jahrhunderts zum Auf- und Ausbau zahlreicher britischer Kolonien. Auf den Karibik-Inseln St. Lucia , Barbados und Nevis praktizierte auch das britische Kolonialregime die Plantagenwirtschaft mit afrikanischen Sklaven.

Gänzlich anders lagen die Verhältnisse in den Siedlungskolonien an der nordamerikanischen Ostküste, wo u. Sie verschafften sich Landbesitz und breiteten sich nach Westen aus, indem sie die indianische Bevölkerung aus ihren Siedlungsgebieten verdrängten. Die Kolonisten blieben aber Untertanen der englischen Krone, bis sie sich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg im letzten Viertel des Jahrhunderts von ihr befreiten. Nicht nur religiöse Dissidenten und Bedrängte auf der Suche nach einer neuen wirtschaftlichen Existenz waren von England in die nordamerikanischen Kolonien gekommen, sondern auch zu Zwangsarbeit verurteilte Sträflinge: Zwischen und wurden etwa Australien und Neuseeland wurden im Jahrhundert bevorzugte Ziele britischer Auswanderer.

Als in den er Jahren die koloniale Welt ihr universalhistorisches Maximum erreichte, [42] entfiel der Löwenanteil auf das British Empire. Die Gesamtbevölkerung betrug ca. Auch einige karibische Inseln und Indien waren frühneuzeitliche Objekte französischer Kolonialpolitik.

Damit bestand von Anbeginn ein Konkurrenzverhältnis vor allem mit dem britischen Kolonialismus, ausgetragen in einer Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen, den Franzosen- und Indianerkriegen. Einen neuen Anlauf nahm die französische Kolonialpolitik ab vor allem in Afrika und nach Mitte des Dabei verfolgten die Franzosen mit Rückgriff auf die Leitideen der Französischen Revolution eine zivilisatorische Mission im Sinne der Assimilation der Kolonisierten, besonders im Maghreb.

Angesichts der im Zuge fortschreitender Eroberungen während des Gerade die ländliche Agrarkolonisation der Europäer mit Unterstützung der französischen Staatsmacht wirkte sich aber für die muslimische Landbevölkerung fatal aus; denn durch Enteignungen unter allerlei Vorwänden wurde sie auf kleinere Landflächen und schlechtere Böden verdrängt.

Die Schiffe der Handelskompanie erwarben einen Hafen im heutigen Mosambik an Portugal und proklamierten vier Inseln der Nikobaren als österreichische Kolonie, die allerdings bereits an Dänemark zurückfiel.

Seit Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurden in der Öffentlichkeit immer lauter Kolonien gefordert. Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte diese Ideen sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitspolitischen Erwägungen ab. In unzugänglichen Regionen wie Nordkamerun oder dem späteren Ruanda-Urundi wurden jedoch auch indirekte Herrschaftsformen praktiziert.

Die territoriale Expansion war mit dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von weitgehend beendet. Bis auf den Marinestützpunkt Tsingtau waren diese eher von symbolischer Bedeutung. Die Politik unter Staatssekretär Bernhard Dernburg sollte dem eigenen Anspruch nach eine neue Form des deutschen Kolonialismus einleiten.

So wurden nun Investitionen in die koloniale Infrastruktur vorgenommen, etwa in das Gesundheits-, das Nachrichten- und Verkehrswesen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hingegen ist der deutsche Kolonialismus in der Wissenschaft und den Medien weniger präsent. Die kolonialen Bestrebungen Russlands richteten sich vor allem auf Zentralasien ; so wurde ab der Gründung des Moskauer Reiches und mit der Etablierung des Zarentums das russische Staatsgebiet über Sibirien nach Osten hin ausgedehnt.

Jahrhunderts reichte es sogar bis Alaska in Nordamerika. Dabei bestanden Stützpunkte südwärts bis nach Kalifornien. Seit der Ära Zar Peters I. In kriegerischen Auseinandersetzungen um Randgebiete des zerfallenden Osmanischen Reiches zerbrach die Heilige Allianz.

Nach dem Krimkrieg musste Russland im Pariser Frieden von das Donaudelta und das südliche Bessarabien an das Fürstentum Moldau abtreten, sowie das Protektorat über die Donaufürstentümer aufgeben, die russische Truppen besetzt hatten. Seine Niederlage war einer der auslösenden Faktoren der Russischen Revolution von Russische Binnenkolonien wie z.

Die vor-nationale Ordnung des Zarenreichs sollte durch eine proletarische nach-nationale Ordnung ersetzt werden, wobei die Phase des Nationalstaats übersprungen werden sollte. So wurde beispielsweise mit Hilfe russischen Militärs die islamische Regierung im usbekischen Kokand ebenso beseitigt wie die Unabhängigkeit des christlichen Georgiens.

Der um einsetzende Wettlauf der europäische Kolonialmächte um Territorialbesitz in Afrika engl. Scramble for Africa gehört zu den für das Zeitalter des Imperialismus charakteristischen Erscheinungsformen.

Ansonsten beschränkte sich die europäische Präsenz auf diesem Kontinent bis dahin im Wesentlichen auf küstennahe Handelsstützpunkte. Die Motivlage, die den Wettlauf um Afrika vorantrieb, ist mehrschichtig. Neben ökonomischen, geopolitischen und missionarischen Interessen, werden auch Nationalprestige, Forscherdrang und Abenteuerlust in unterschiedlicher Gewichtung zur Erklärung herangezogen. Nachdem die Franzosen in Tunesien ein Protektorat errichtet hatten und es zu einer britischen Besetzung Ägyptens im Zuge der Niederschlagung des Urabi-Aufstandes kam, wurde der Kongo zum Objekt kolonialer Begehrlichkeiten, die neben beiden etablierten Kolonialmächten auch besonders der belgische König Leopold II.

Denn auch im Deutschen Kaiserreich waren unterdessen koloniale Interessen s. Die Berliner Konferenz garantierte Handelsfreiheit im Kongogebiet für alle 14 Signatarmächte und legte allgemein fest, dass nur diejenige Macht das Recht auf Erwerb einer Kolonie haben sollte, die sie auch tatsächlich in Besitz nahm Prinzip der Effektivität. Dieser Beschluss bildete die Grundlage für die in den folgenden Jahren deutlich beschleunigte Aufteilung Afrikas in Kolonien durch die europäischen Mächte.

Mit dem Sudanvertrag wurde zwischen beiden Mächten ein Ausgleich ihrer kolonialen Interessensphären in Afrika hergestellt, der den Wettlauf beendete und den Weg zur nachfolgenden Entente cordiale freimachte. Das Deutsche Kaiserreich verlor bereits bald nach Kriegsausbruch seine nicht verteidigungsfähigen Besitzungen in West- und Südwestafrika an die Entente-Mächte und die mit ihnen verbündete Südafrikanische Union.

Nur Frankreich setzte afrikanische Soldaten — erst Freiwillige, dann auch in den Kolonien Zwangsrekrutierte — während des ganzen Krieges zur Verstärkung an der eigenen Front gegen Deutschland ein, und zwar häufig in besonders gefährlichen Abschnitten oder in vorderster Linie bei Angriffen auf stark befestigte deutsche Stellungen. Doch nicht nur diese Weltkriegsverbündeten, sondern auch Japan strebte mit seinen kolonialen Ambitionen die Rolle einer erstrangigen Seemacht an.

Die Eigenständigkeit der als Dominions zur Selbstverwaltung gelangten, mehrheitlich von europäischen Siedlern bevölkerten britischen Kolonien — darunter Kanada, Australien und Neuseeland — gewann im engen militärischen Zusammenschluss mit dem Mutterland während des Ersten Weltkriegs weiter an Boden, was in der Balfour-Erklärung und im Statut von Westminster auch schriftlich fixiert wurde.

Die Perspektive eines solchen Dominion-Status könnte auch im Unabhängigkeitskampf Indiens unter Mahatma Gandhi dazu beigetragen haben, den Widerstand gegen das britische Kolonialregime weitgehend gewaltfrei auszutragen.

Der französische Kolonialismus der Zwischenkriegszeit in den er und er Jahren propagierte die Assimilation nicht mehr in gleicher Weise wie teils im In volkswirtschaftlicher Hinsicht wurden die kolonialpolitischen Weichen nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls neu gestellt.

Zugleich wurden damit Grundlagen für eine neue Logistik kolonialer Herrschaftssicherung gelegt, indem militärische Verbände schneller und einfacher zu Unruheherden transportiert werden konnten.

Hinzu kamen die neuen Möglichkeiten von Luftüberwachung und Luftangriffen. Dadurch dass mittels neuer Verkehrswege sich die Exportproduktion von den Küstenregionen immer weiter ins Binnenland erstreckte, kam es zu einem zunehmend profitablen Aufschwung der kolonialen Exportwirtschaft. Als neue Kolonialmacht mit ausgreifenden Ambitionen suchte sich in der Zwischenkriegszeit das faschistische Italien zu etablieren.

Libyen , das von Italien als Kolonie annektiert worden war, aber im Weltkrieg nicht gehalten werden konnte, wurde in jahrelangen Kämpfen bis zurückerobert.

Die nordafrikanischen Kolonien in Libyen und der Kyrenaika wurden von Mussolini hauptsächlich als Siedlungsland für den italienischen Bevölkerungsüberschuss genutzt: Bis wurden Den Emanzipationsbestrebungen der britischen Kolonien in Afrika in den er und er Jahren bot London die Perspektive einer an wirtschaftliche und politische Stabilitätsbedingungen gekoppelten self governence sowie die Möglichkeit des Verbleibs im britischen Commonwealth of Nations.

Der in den Nachkriegsjahrzehnten stattfindende Entkolonialisierungsprozess verlief gleichwohl auf je spezifische Weise, und zwar in Abhängigkeit von Wirkungsfaktoren wie der Stärke und Aktionsformen der kolonialen Befreiungsbewegungen, der Gewaltbereitschaft von Kolonialregimen und Siedlern, der kolonialwirtschaftlichen Interessen und Weichenstellungen in den Metropolen bzw.

So stand etwa der sich mancherorts länger hinziehende britische Rückzug weniger als der französische unter dem Druck von nationalen Befreiungsbewegungen, die Entscheidungen erzwangen. Nur mit Unterstützung der USA hätten auch die Niederlande in Indonesien ihr an die Japaner verlorenes und in der Nachkriegszeit zur Eigenständigkeit drängendes Kolonialgebiet erfolgreich zurückgewinnen können. Den herkömmlichen Kolonialismus lehnten die USA nun allerdings ab; sie hatten nach der Kapitulation Japans auf die Wiederherstellung der eigenen Kolonialherrschaft über die Philippinen verzichtet und forderten das Gleiche auch anderweitig.

Besonders umkämpft und langwierig war die Dekolonisation Algeriens, das als integraler Bestandteil Frankreichs galt. Der begonnene Algerienkrieg endete erst mit der von der algerischen Nationalen Befreiungsfront FLN — unter hohen Opferzahlen vor allem auf Seiten der Algerier — errungenen Unabhängigkeit, während Marokko und Tunesien bereits die Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hatten.

Die frühen Kolonialmächte Portugal und Spanien hatte ihren lateinamerikanischen Kolonialbesitz bereits im Das Ende des Kolonialismus herkömmlicher Art steht gleichfalls mit Portugal in Verbindung, das seine afrikanischen Kolonien und Osttimor aufgab. Davon betroffen waren z. Was den frühneuzeitlichen europäischen Kolonialismus von anderen historischen Expansionsweisen und Arten der Reichsbildung unterschied, war das damit entstehende, weltumspannende Netz, das sich im Fortgang des Ausgreifens über alle Kontinente erstreckte und mit dem Weltsystem der Eroberung zugleich ein — wenn auch regional sehr unterschiedlich strukturiertes — Weltsystem des Handels hervorbrachte.

Während die Europäer im asiatischen Handel zunächst lediglich die Rolle eines Juniorpartners mit Nischen im Rahmen eines entwickelten Handelsverkehrs einnahmen, gerieten Afrika, Amerika und zuletzt Australien sowie Neuseeland mit jeweils weniger ausgebildeten Handelsnetzen umso ungebremster in die Abhängigkeit europäischer Handelsinteressen.

Vor und nach der Wende vom Die Dekolonisation im Die kolonialistischen Abhängigkeitsverhältnisse waren generell vom Herrschaftsanspruch der Kolonisten bzw. Kolonialmächte über die Kolonisierten bestimmt. Während die Briten von civilizing mission sprachen, lautete der französische Begriff mission civilisatrice und der deutsche Kulturmission.

Gemeint war im Grunde das Gleiche: Anders als etwa die griechische Kolonisation im Hellenismus war der europäische Kolonialismus weit entfernt davon, eine Kultur synthese zu begünstigen. Auch der spätere US-amerikanische und japanische Kolonialismus bedienten sich solcher sendungsideologischen Rhetorik.

Andere Hochkulturen , wie z. Nicht jede Fremdherrschaft wurde aber als illegitim aufgefasst. Die Fremdheit der Sprache war weniger entscheidend als der gemeinsame Glaube und die damit einhergehende Verbindlichkeit islamischer Regeln der gerechten Regierung.

Darüber hinaus hatten imperiale Mächte wie z. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen und politischen Einfluss, der zum Teil weit über die eigenen Kolonien hinausreichte. Zu den weitreichenden globalen Konsequenzen des Kolonialismus gehörte nicht zuletzt die Verbreitung des europäischen Staatskonzepts, teils verbunden mit absurden Begleiterscheinungen.

Die Arbeiterparteien in den industrialisierten Staaten des Westens standen dem Kolonialismus nahezu geschlossen skeptisch bis strikt ablehnend gegenüber. So ordnete der Sozialdemokrat Rudolf Hilferding ihn als Folge des entwickelten Monopolkapitalismus ein, der auf die Herstellung ausgedehnter Wirtschafts- und Ausbeutungsgebiete ausgerichtet sei. Auch Rosa Luxemburg setzte darauf, dass der Zusammenbruch des Kapitalismus und der bestehenden Gesellschaftsordnung lediglich hinausgezögert werde, indem mit Hilfe überschüssigen Kapitals nicht-kapitalistische Gesellschaften ausgebeutet würden.

Zwar lehnte auch Bernstein in seinem erschienenen Werk Die Voraussetzungen des Sozialismus die kapitalistische Kolonialpolitik ab, vertrat aber die These, dass auch eine sozialistische Gesellschaft Kolonien haben dürfe, allerdings unter der Prämisse der Entwicklung der Kolonien durch die dann sozialistischen und demokratischen Kolonialstaaten. Ähnlich unterschied Karl Kautsky zwischen abzulehnenden Ausbeutungskolonien und eher erstrebenswerten Kolonien im Sinne sozialistischer Arbeitsorganisation.

Von Teilen der unterworfenen Bevölkerungsgruppen wurden die westlichen Akkulturationsangebote verschiedentlich angenommen. So entwickelte sich in Bengalen innerhalb weniger Jahrzehnte eine englisch sprechende Bildungsschicht. Permanent angelieferte Waren und Güter ermöglichten regen Handel mit den einheimischen Stämmen. Dies lag auch daran, dass Frankreich durch eine Vielzahl europäischer Konflikte militärisch viel stärker an den Kontinent gebunden war als England.

Die Vielzahl und die Intensität dieser Konflikte führten faktisch zur Erschöpfung der finanziellen und menschlichen Ressourcen. Es war Champlain, der schon bald erkannte, dass Neufrankreich ohne eine deutliche Intensivierung seiner Kolonialisierungsbemühungen langfristig keine Chance haben würde, gegen Englands weitaus intensiver betriebene Ausdehnung seines Kolonialreiches zu bestehen.

Um sich Gehör zu verschaffen, reiste Champlain im Jahre nach Frankreich und traf mit dem damaligen Premierminister, Kardinal Richelieu , zusammen, den er überzeugen konnte. Faktisch kam dies der Einführung eines halbfeudalistischen Wirtschaftssystems gleich.

Im Zuge dieser Planungen wurde Samuel de Champlain zum Gouverneur Neufrankreichs ernannt — ein Zeichen der französischen Krone, nun endlich planvolle und zentrale Verwaltungsstrukturen in den nordamerikanischen Kolonialgebieten zu schaffen. Trotz seiner im Sinne der imperialen Interessen Frankreichs weitsichtigen Analyse entwickelte sich ein persönliches und wenig weitsichtiges Anliegen Richelieus zu einem schweren Hindernis einer erfolgreicheren Kolonialpolitik der Zukunft: Protestanten hatten entweder zum römisch-katholischen Glauben zu konvertieren oder die Kolonie zu verlassen.

Viele der bereits in Neufrankreich niedergelassenen französischen und europäischen Immigranten gingen stattdessen in die prosperierenden englischen Siedlungen, in denen die Konfessionszugehörigkeit keine Rolle spielte.

Potenzielle Zuzügler Neufrankreichs wurden nun Untertanen der englischen Krone. Für Neufrankreich führte diese Entwicklung zu einer charakteristischen Besonderheit: Die römisch-katholische Kirche wurde zu einem immer stärker bestimmenden Faktor und nach dem Tod Champlains im Jahre zur nahezu allein bestimmenden gesellschaftlichen Kraft.

Jahrhundert ein charakteristisches Organisationsmerkmal des Sankt-Lorenz-Gebietes blieb und die Anziehungskraft Neufrankreichs für potenzielle europäische Auswanderer sicher nicht erhöhte. Hierbei kulminierten zwei unterschiedliche Entwicklungen: Zum einen ergab sich mehr und mehr eine natürliche Dynamik beständig wachsender Siedlungen nach neuen potenziellen Siedlungsflächen.

Aber auch innereuropäisch-imperiale Spannungen warfen ihre ersten Schatten im Kampf um die Vorherrschaft in der neuen Welt voraus, die wenige Jahrzehnte später in offene Kriege mündeten. Hierbei zeigte sich schnell, dass der rein verbal artikulierte Anspruch auf ein Gebiet durch ein europäisches Mutterland das individuelle Vordringen einzelner Siedlergruppen faktisch nicht verhindern konnte.

So hatten sich beispielsweise schon um schottische Siedler, angezogen von den reichen Fischgründen, im französisch beanspruchten Gebiet Akadiens, dem heutigen Neubraunschweig , niedergelassen. Die südlicheren englischen Kolonien in Massachusetts , Boston , New York und Philadelphia prosperierten und hatten bereits mehrere tausend Einwohner. Als Folge drängten englische und schottische Kolonisten nun von beiden Seiten auch in die zwar von Frankreich beanspruchten, aber spärlich bevölkerten Gebiete Kanadas um Akadien und das fruchtbare Sankt-Lorenz-Tal.

Gouverneur Champlain, der von den Engländern nach Frankreich deportiert worden war, kehrte in die Kolonie zurück. Jenseits des fortwährend schwelenden Konflikts zwischen englischen und französischen Kolonialisten um Siedlungsflächen sowie des Wettbewerbs ihrer europäischen Mutterländer um Nordamerika bestimmte eine dritte Konfliktlinie Nordamerikas Kolonialisierung: Um verstärkte sich eine für die französischen Kolonialisten schwierige Entwicklung, die eine lange Vorgeschichte hatte.

Durch ihre guten Beziehungen zu den indianischen Stämmen der Huronen, Algonkin und Montagnais gerieten die Franzosen in immer stärkeren Konflikt mit den Irokesen, die mit Frankreichs Verbündeten wohl schon Jahrzehnte in Feindschaft standen und die sich nun an die Seite Englands stellten, um die französischen Eindringlinge zu vertreiben.

Und es galt auch für Montreal, das sich, den Sankt Lorenz abwärts gelegen, zu einem wichtigen Hafen und Handelsknoten für die Weiterverschiffung der flussaufwärts erworbenen Güter entwickelt hatte. Irokesen hatten dort die Siedlung Hochelaga errichtet, die aber zum Erstaunen der Franzosen der Champlain-Expeditionen einige Jahrzehnte später vollständig verschwunden war.

Im Gebiet Montreals lebten zu dieser Zeit vor allem Stämme der Huronen, während das Ursprungsgebiet der irokesischen Stämme einen Raum südlich des heutigen New York und des Ontariosees umfasste und sich bis zum Hudsonstrom ausdehnte.

Als Champlain bei Tadoussac am St. Lorenz an Land ging, wurden er und seine Begleiter von den huronischen Stämmen um Unterstützung gegen die Irokesen gebeten, die die Abenteurer gewährten. Der Anfang einer Freundschaft, aber auch einer Feindschaft war gemacht.

Aus bis heute nicht vollständig geklärten Gründen begannen die irokesischen Stämme, nach Norden zum St. Lorenz zu drängen und kamen so mehr und mehr in Konflikt mit den dort beheimateten Stämmen der Huronen, Algonkin und Montagnais.

Eine Theorie für diese Ausdehnungsbestrebungen nimmt auf die starke Dezimierung des Bibers in den irokesischen Heimatgebieten durch die Möglichkeit der Jagd mit Schusswaffen Bezug. Um verschärfte sich der Konflikt innerhalb der indianischen Ureinwohnerstämme, da die Irokesen nun selbst durch Handelsbeziehungen mit holländischen Kolonialisten Schusswaffen bezogen.

Die Holländer hatten seit Handelsposten am Hudson errichtet. Um erfuhren die Irokesen, deren Stämme seit dem Verschwinden des Bibers in ihren Territorien die Basis zum Handel verloren hatten, wie lukrativ sich der Fellhandel auch jenseits der irokesischen Stammgebiete entwickelt hatte. Diese versuchten nun, alleinige Zwischenhändler zwischen europäischen Händlern und indianischen Stämmen zu werden.

Franzosen und Huronen standen gegen Engländer und Irokesen. In den frühen er Jahren attackierten Irokesen mit Wyandot erstmals eine französische Siedlung im Grenzgebiet Neufrankreichs. Der Konflikt weitete sich immer stärker aus.

Auseinandersetzungen fanden vor allem unter den indianischen Stämmen statt, aber ihre Auswirkungen waren auch für die Siedler folgenschwer. Friedensverhandlungen zwischen Franzosen und den Irokesenstämmen in den er Jahren scheiterten am Widerstand des mächtigsten irokesischen Stammes, den Mohawk. In der Folge kam es zu schweren Angriffen auf Neufrankreich und Montreal und zu einer gewaltigen Ausdehnung des irokesischen Gebietes, das nun von Virginia bis an den St.

Die Irokesen suchten daraufhin Frieden, der für eine Generation anhalten sollte. In einer nur kurzen Friedenszeit von ca. Ein Umstand, der nicht nur den Handel behindert hatte, sondern auch immer wieder zu schweren Verlusten unter den Händlern geführt hatte. Wiederum kam es zu schweren Angriffen auf französische Siedlungen. Frontenacs Vorgehen führte auch zum Zerwürfnis mit den irokesisch erzogenen Entdeckern des Mississippi- und Ohio-Gebietes.

Die Franzosen stimmten zu, ermöglichte ihnen diese Entwicklung doch auch, die Irokesen als Puffer zwischen ihren und den englischen Gebieten sehen zu können. Im Franzosen- und Indianerkrieg von bis flackerte die alte Frontstellung jedoch wieder auf. Insgesamt und im Rückblick ist festzuhalten, dass dieses Muster, in dem sich einheimische Stämme als Verbündete an kriegerischen Konflikten zwischen europäischen Mächten beteiligten oder beteiligt wurden, sich in keiner Weise für die einstigen Besitzer Nordamerikas auszahlte: Diese frühen Bündnisse und Allianzen änderten nichts an dem Umstand, dass, war der Machtkampf um die Vorherrschaft europäischer Mächte erst einmal entschieden, man sich nun der ehemaligen Verbündeten entledigte, ihre Lebensräume zurückdrängte, sie entrechtete, enteignete und dezimierte.

Im Jahre starb Samuel de Champlain. War die Position der katholischen Kirche durch Richelieus Einflussnahme schon zuvor gesellschaftspolitisch einflussreich gewesen, so entwickelte sie sich nun für eine Zeitlang zur alles bestimmenden gesellschaftlichen Kraft.

Dieser Bedeutungszuwachs hatte vor allem mit der Schwäche und Mehrdeutigkeit der staatlichen Organisationsstrukturen zu tun. Seit den Anfängen der Kolonisation im Jahre lag die administrative Zuständigkeit für die Siedlungen in der Verantwortung der Compagnie de la Nouvelle France, die sich zwar um Zuweisung von Land und die wirtschaftliche Entwicklung kümmerte, aber keine planvollen Verwaltungsstrukturen schuf. Die Kirche hingegen war straff und streng hierarchisch organisiert, als moralische Autorität anerkannt und stand als vertrauenswürdige Institution im Zentrum des alltäglichen Lebens der katholischen Siedler.

Sie begannen mit der Missionierung der mit den Franzosen verbündeten Wyandot, versuchten aber auch die dort beheimateten Irokesen zu bekehren. Dieses Verhalten der katholischen Missionare verstärkte die bereits schwelenden Konflikte der irokesischen Ureinwohner mit den Franzosen.

Die Irokesenstämme drängten in dieser Zeit ostwärts in Richtung der Siedlung Montreal, wo sie versuchten, die dort beheimateten Algonkin zu verdrängen und deren zentrale Stellung im Pelzhandel mit den Franzosen zu übernehmen.

Mehrere Angriffe auf Montreal erfolgten und führten beinahe zur Zerstörung der Stadt. Im Zuge der wachsenden Spannungen zwischen den europäischen Kolonialmächten England und Frankreich verstanden es die Engländer, sich die den französischen Bestrebungen feindlich gesinnten Irokesen zu Verbündeten zu machen.

Jahrhunderts umfasste die Siedlung Montreal noch immer nur einige Dutzend Siedler. Der Sage nach überlebte kein französischer Angreifer. Nun erklärte der König die Kolonie zur Provinz Frankreichs und unterstellte sie somit direkt der französischen Krone. Die neue Provinz erhielt ein Regierungs- und Verwaltungssystem, welches bis zum Ende Neufrankreichs im Jahre seine Gültigkeit behielt.

Es wurde ein oberstes Verwaltungsgremium geschaffen, welches direkt der französischen Krone dem französischen Seefahrtsminister unterstand. Der Superintendant war Kopf der kolonialen Administration und entschied über Siedlungsangelegenheiten, Landvergabe, gesetzliche Bestimmungen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Trotz der administrativen Neugliederung der Kolonie spielten besonders persönliche Faktoren eine wesentliche Rolle für die weitere Entwicklung.

Entscheidenden Anteil an der nun einsetzenden positiven wirtschaftlichen Entwicklung hatte die Verstärkung der französischen Truppenpräsenz im Jahre , als Ludwig XIV. Der mehr als Soldaten umfassenden Truppe gelang es, die ständigen Angriffe der Irokesen auf die Stadt zu beenden. Zwar sollte sich erweisen, dass hiermit kein endgültiger Friede erreicht war, jedoch führte das vorläufige Ende dieses permanenten Konflikts zum Aufblühen des Handels in der Kolonie.

Ein neuer Strom von Immigranten aus Frankreich führte zu weiteren Siedlungsgründungen. Die Siedlungen ehemaliger Truppen bei Richelieu bildete somit auch ein Bollwerk gegen potenzielle irokesische Angriffe vom Süden her. Der Zuwachs zeigt, dass die neue Kolonialpolitik zu greifen begann. Die Studie erwies aber auch einen überproportionalen Überschuss an männlichen Kolonisten. Dies führte zu einem drastischen Anstieg der Geburtenzahlen. Im ersten Jahrzehnt nach der Unterstellung der Kolonie unter die französische Krone wuchs die Zahl der Einwohner um über Gleichzeitig — und dies war eine erstaunliche Komponente französischer Kolonialpolitik — wurden Heiraten zwischen französischen Kolonisten und indianischen Ureinwohnern unterstützt und gefördert.

Trotzdem waren sie als legitimer Teil der französischen Kolonialgesellschaften anerkannt. Unter ihren heutigen Nachkommen befindet sich kein Geringerer als der später ungemein populäre Premierminister Kanadas, Pierre Trudeau.

Als Folge dieser neu ausgerichteten Bevölkerungspolitik wurden nun mehr als 90 Prozent der Koloniebewohner auf nordamerikanischem Boden geboren und nur etwa 10 Prozent erreichten die Siedlungen als Immigranten aus Europa.

Andere Umstände aber hemmten eine noch bessere Entwicklung. Der Versuch, das ungerechte und entwürdigende halbfeudale Bewirtschaftungssystem der Grundherrschaft abzuschaffen und den Landerwerb der bereits etablierten Landeigner zu Gunsten von Neuimmigranten zu begrenzen, scheiterte.

Diese vergaben kleinere Parzellen ihres Besitzes an Einwohner und Neuimmigranten, welche zu Pachtzahlungen und zur Ableistung verschiedener Diensten verpflichtet waren. Ein solches System unterstützte zwar einerseits eine schnell ausgreifende Landnahme. Neuankömmlinge wurden schon bei ihrer Ankunft umworben. Andererseits aber gestaltete sich der Erwerb eigenen Farmlandes in den südlicher gelegenen englischen Kolonien viel einfacher und sorgte dort für einen massenhaften Zustrom von Auswanderern.

Nicht nur infolgedessen blieb auch weiterhin der Zustrom französischer Immigranten in Französisch-Übersee im Verhältnis zu jenem in die englischen Kolonien relativ gering.

Die wiederholten Versuche Talons, andere Wirtschaftszweige als Landwirtschaft und den Fellhandel wie Holzwirtschaft, Berg- und Schiffbau fest zu etablieren, schlugen aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung Frankreichs und den knappen menschlichen Ressourcen fehl. Zwar hatte sich unter der Politik des neuen Superintendanten Jean Talon die Lage in den französischen Kolonialgebieten in drastischer Weise gebessert — trotzdem geriet Neufrankreich im Vergleich mit den englischen Kolonien Nordamerikas mehr und mehr ins Hintertreffen.

Denn im Gegensatz zu den dünn besiedelten Territorien Neufrankreichs prosperierten die klimatisch günstiger gelegenen und nicht unter feudalen Wirtschaftsformen und Religionsbeschränkung stehenden Siedlungen Neuenglands. Diese Entwicklung wurde nach Kräften von Compte de Frontenac, dem französischen Superintendenten seit , unterstützt.

Lorenz mit dem Ontariosee das Fort Frontenac heute: Dieses Quasimonopol führte von an zu einem Wiederaufflammen irokesischer Angriffe und Feindseligkeiten. Die Irokesen, die ehemaligen Zwischenhändler, sahen sich durch Frontenacs Politik ihrer Existenzgrundlage beraubt. In der Folge kam es nach fast zwei friedlichen Jahrzehnten wiederum zu schweren indianischen Angriffen auf französische Siedlungen.

Im Jahre überfielen irokesische Stämme die Fellhandelsmetropole Montreal. Je stärker die französische Kontrolle auf den lukrativen Fellhandel griff, umso schwieriger wurde es aber auch für englische Händler, Felle zu den europäischen Schiffen an den Küsten zu bringen.

Parallel zum Aufblühen des französischen Fellhandels hatte auch für englische Siedler die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs stetig zugenommen. Dies galt zum einen vor allem für die südlicher gelegenen englischen Kolonien, die direkt am Atlantik lagen. Im Besonderen aber galt dies für die Kolonisten entlang des Hudson, wo England im Jahre die holländischen Neu-Niederlande von diesem Zeitpunkt an: New York übernommen hatte.

Englische Fellhändler nutzten hierbei ihre guten Kontakte zu den mit Frankreich verfeindeten Stämmen der Irokesen. Aufgrund dieser schwierigen Bedingungen konnten sich die englischen Erträge nicht mit denen der französischen Fellhändler messen. Auf diese Weise waren englische Trapper den Abgaben unterworfen, die Neufrankreich erhob. Aus behördlicher Sicht hatten diese ihre Felle ohne Lizenz requiriert.

Den Waldläufern blieb nur, in Frankreich gegen diese behördliche Anordnung zu klagen. Erfolglos, wie sich zeigen sollte. Nun entschieden beide, ihre Entdeckung nach London zu melden. Sie beantragten, die von Henry Hudson entdeckte und für England beanspruchte Route für die Verschiffung ihrer Felle nutzen zu dürfen. Wie so oft in diesen Tagen schneller Landnahme waren die jeweiligen Ansprüche nicht unumstritten. Zwar hatte ein Franzose die als Zugang zum Festland strategisch immens wichtige Bucht für die französische Krone in Besitz genommen.

Trotzdem beanspruchte Hudson die später nach ihm benannte Bucht sowie die umliegenden Gebiete für England. Von hier aus, dieser Eindruck drängt sich auf, trieb die sich der eigenen Stärke wohlbewusste europäische Inselmacht England aktiv die Ausdehnung des eigenen Territoriums in Richtung des heute nördlichen Kanadas und der französisch beherrschten Gebiete voran.

Aus der Sicht Frankreichs hatten englische Siedler unter dem Schutz der englischen Krone französisches Territorium okkupiert. In der Folge versuchte man einerseits, sich mit der Inbesitznahme neuer Territorien in südlicher Richtung des Mississippi und des Ohio schadlos zu halten.

Die Eröffnung einer eigenen englischen Handelsroute in französische Gebiete war aber strategisch und wirtschaftlich zu bedeutend, als dass man zur Tagesordnung übergehen konnte. Diese vitale koloniale Interessen berührende Gemengelage sollte schon bald in einen offenen Krieg münden, in dem sich die irokesischen Stämme auf Seite der Engländer stellten. Was als Wettlauf einzelner Fellhändler um wirtschaftlich nutzbare Territorien begann, entwickelte sich zum kriegerischen Konflikt zwischen Neuengland und Neufrankreich und deren Mutterländern.

Zudem, so die französische Sichtweise, beuteten englische Händler französische Gebiete aus, ohne dass Neufrankreich von diesem Handel profitierte. Die Franzosen versuchten sich nun mit einer Ausdehnung ihrer Kolonie in westlicher Richtung hin zu den englischen heute: Gleichzeitig erhofften sie, durch die Entdeckung anderer schiffbarer Flüsse einen anderen Zugang zur See ausfindig zu machen, der die Auswirkungen des Verlusts der Hudson-Bucht kompensieren konnte.

Tatsächlich erreichten Joliet und Marquette als erste Europäer den Mississippi, befuhren ihn bis zur Mündung des Arkansas und beanspruchten dieses Gebiet für Frankreich. Immer neue Gebietsbeanspruchungen hatten den Raum für koloniale territoriale Ausdehnungen stetig enger werden lassen, die verschiedenen Kolonialmächte rückten mehr und mehr aufeinander zu. Von den südlicher gelegenen britischen und spanischen Kolonien her hatte nun auch ein Wettlauf um jene Region eingesetzt, die sich als noch nicht beanspruchte Wildnis zwischen den stetig wachsenden Territorien der drei europäischen Mächte England, Spanien und Frankreich erstreckte.

Dies verschärfte den Wettlauf um die Kolonialisierung Nordamerikas. Spannungen und Unstimmigkeiten über Besitzansprüche führten immer stärker zu Konflikten, die vitale nationale Interessen berührten. Aus französischer Sicht galt es vor allem, das Mississippi-Tal in Besitz zu nehmen und so nicht nur die eigenen Territorien zu verbinden, sondern auch den englischen Bestrebungen von deren südlichen Kolonien einen Zugang zum Atlantik zu eröffnen, buchstäblich einen Riegel vorzuschieben.

Diese geostrategischen Erwägungen führten auch zu einem Wandel hinsichtlich der internen Kolonialisierungspolitik. Es hatte sich erwiesen, dass Gebietsansprüche allein nichts galten, sofern diese Ansprüche nicht faktisch gesichert werden konnten. Ein Umdenken setzte ein: Man entschloss sich, den theoretischen Anspruch durch die Schaffung von militärisch gesicherter Besiedlung sicherzustellen. Unter der Führung des nun auch zum Gouverneur Louisianas ernannten Frontenac wurden eine Reihe militärisch besetzter Forts zur Absicherung der Ansprüche errichtet.

Dies war eine neue Strategie, der man nun auch in all jenen Gebieten folgte, die zwar theoretisch im Besitz Neufrankreichs waren, die aber mangels menschlicher Ressourcen nicht besiedelt werden konnten. Das generelle Problem französischer Überseeherrschaft — der Mangel an finanziellen sowie menschlichen Ressourcen — holte die Franzosen auch hier wieder ein.

Tatsächlich erreichten Joliet und Marquette als erste Europäer den Mississippi, befuhren ihn bis zur Mündung des Arkansas und beanspruchten dieses Gebiet für Frankreich. Die Perspektive eines solchen Dominion-Status könnte auch im Unabhängigkeitskampf Indiens unter Mahatma Gandhi dazu beigetragen haben, den Widerstand gegen das britische Kolonialregime weitgehend gewaltfrei auszutragen.

Closed On:

Durch die Zurückdrängung arabisch-syrischer Händler im Rahmen der Kreuzzüge konnten nun auch die italienischen Stadtstaaten mit der Levante und dem Orient unmittelbar Handel treiben. Der Konflikt weitete sich zum offenen militärischen Schlagabtausch aus, für den neuerlich ein Konflikt auf europäischer Bühne den Anlass lieferte.

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